Written by Volon Tär

Auf dem Schulweg – Wenn Mama und Papa Busse stoppen

Auf dem Schulweg – Wenn Mama und Papa by Volon Tär

Unterwegs mit dem hüpfenden Polizisten

Von Michael Schnatz

Montagmorgen, 7.30 Uhr: Michael Schlutow steht mit seiner gelben Signaljacke im Regen vor der Grundschule Stöckheim. „Noch zehn Minuten, dann geht der Ansturm los – dann kommen die Kinder zur ersten Stunde“, sagt Schlutow. Die Jungen und Mädchen werden von ihren Eltern gebracht, kommen alleine oder in Gruppen angelaufen, oder sausen mit dem Roller heran. Damit dabei nichts schief geht, ist Schlutow vor Ort. Der 59-Jährige ist Polizeioberkommissar im Präventionsteam der Polizeiinspektion Braunschweig. Seit 25 Jahren gibt er Verkehrsunterricht, bildet Schüler- und Elternlotsen aus – und ist Ansprechpartner vieler Schulen, wenn es um Verkehrssicherheit geht. Zwei Elternlotsen sichern heute den Zebrastreifen vor der Schule ab. Schlutow kennt sie, immerhin hat er sie ausgebildet.

Vor der Grundschule Stöckheim führen Steffen Krasel und Christina Lange die Schüler sicher über die Straße.

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Steffen Krasel ist bereits im dritten Durchgang als Elternlotse dabei.

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Christina Lange sorgt als Elternlotse für Sicherheit am Zebrasteifen.

Steffen Krasel und Christina Lange sind an diesem Morgen im Einsatz – ausgestattet mit Warnweste und Kelle, beides gesponsert von der Verkehrswacht Braunschweig. Drei Kinder, drei Jahrgänge: So lange stoppt Krasel schon Autos. „Montags habe ich frei, da helfe ich gerne aus“, sagt er. Langes Tochter geht in die erste Klasse. Daher ist die Mutter zum ersten Mal dabei. Aber sie weiß genau, wann es an der Straße gefährlich wird. „Kommen die Kinder in Gruppen an, sind sie oft abgelenkt.“

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Anette Merkel, Schulleiterin der Grundschule Stöckheim

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Anna (links) und Hannah finden, dass die Elternlotsen gute Arbeit leisten.

So sieht es auch Schulleiterin Anette Merkel. „Wenn die Kinder sich unterhalten, rennen sie oftmals einfach über die Straße. Die Elternlotsen sind uns da eine große Hilfe“, sagt sie. Und das zeigt Wirkung: „Seit 62 Jahren bildet die Polizei Schüler- und Elternlotsen aus – bisher hatten wir keine Unfälle an den Stellen, wo die Lotsen im Einsatz sind“, sagt Schlutow. Auch die Schüler sind dankbar für den Einsatz der Elternlotsen. „So ist der Schulweg viel sicherer“, sagt Anna aus der Klasse 3a. Und Klassenkameradin Hannah ergänzt: „Die Eltern geben uns ein Zeichen, wenn wir über die Straße gehen können. So passiert uns nichts.“

Neben den Lotsen haben auch die Lehrer schon vor ihrem Arbeitsbeginn ein wachsames Auge auf die Schüler. „Viele Kollegen kommen mit dem Fahrrad zur Schule“, erklärt Merkel. Auf dem Weg treffe man dann bereits viele Kinder. „Wenn sich ein Kind falsch verhält, sprechen wir das natürlich sofort an“, sagt Merkel. Das freut Schlutow. Er nimmt aber die Eltern in die Pflicht – und steht ihnen bei Elternabenden unterstützend zur Seite. Was er den Eltern sagt, erzählt Schutow im Video:

Warum Kinder weniger sehen, als Erwachsene.

Schlutow bildet nicht nur Lotsen aus. Er gibt auch Verkehrsunterricht. So auch an diesem Vormittag. Nachdem die Stöckheimer Kinder sicher die Schule erreicht haben, geht es für Schlutow zur nächsten Station. In der Grundschule Lindbergsiedlung steht heute für drei Klassen der Unterricht mit dem Polizisten an.

Die Schüler haben sich auf den Unterricht lange gefreut, verrät Schulleiterin Barbara Steinau-Giesert. Ein Polizist in der Schule: das ist ein Highlight. Wenn Schlutow spricht, hören alle Kinder gepannt zu. Autoritätsprobleme? Fehlanzeige! Zumal, wenn Schlutow mit der Pistole im Halfter nur wenige Zentimeter an ihnen vorbeigeht. Dann kann’s ja zur Sache gehen: Heute sollen die Schüler lernen, was beim Überqueren der Straße zu beachten ist. „Der Bordstein ist auch Stoppstein“, sagt Schlutow. „Dort bleibt man stehen.“ Und damit die Kinder das nicht vergessen, hat der Polizist einen Song mitgebracht – mit Ohrwurm-Potenzial: „Ich springe, ich springe, ich springe so weit ich kann, doch wenn ich an die Fahrbahn komm‘, dann halt ich plötzlich an“, singen die Erstklässler im Chor.

Und wie gewünscht bleibt der Song hängen. Noch in der Pause ertönt aus allen Ecken des Klassenzimmers der Gesang einzelner Schüler. Für Schlutow ein gutes Zeichen. Zum Abschluss versprechen die Kinder, ihre Warnwesten regelmäßig zu tragen. „Einige Wochen klappt das ganz gut“, sagt der Polizist. Doch er weiß aus Erfahrung, dass die guten Vorsätze auch wieder vergessen werden. Aber zum Glück kommt er im nächsten Schuljahr wieder.