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Bakteriophagen – Wenn Viren Infektionen bekämpfen

Bakteriophagen – Wenn Viren Infektionen bekämpfen by admin

Phagentherapie in Georgien: Hoffnung auf die Wunderheilung Am Eliava-Institut in Tiflis werden Menschen mit Bakterienviren behandelt. Viele von ihnen sind verzweifelte Patienten aus Ländern der Europäischen Union.

Das Eliava-Institut hat schon bessere Zeiten gesehen. Auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges lieferte die Einrichtung in einer eigenen Produktionsabteilung mit hunderten Mitarbeitern hergestellte Phagenmedikamente aus Tiflis in die gesamte Sowjetunion. Bis zu fünf Tonnen Phagencocktails produzierte das Institut wöchentlich. Während des Zweiten Weltkriegs und speziell im Krieg gegen Finnland ab 1941 wurden Phagen in der Roten Armee als Universaltherapie zur Wundbehandlung eingesetzt. Offenbar mit großem Erfolg: Laut einer Studie lag die Überlebensrate bei Soldaten mit Clostridium-Infektionen (Gasbrand) bei 80 Prozent – gegenüber 60 Prozent in der Gruppe, die nicht mit Phagen behandelt wurden. Doch aufgrund des militärischen Kontextes waren diese Daten geheim und wurden nicht veröffentlicht.

Benannt ist das 1923 gegründete Institut nach dem georgischen Mikrobiologen George Eliava, einem der Entdecker der Bakterien-Viren. Heute gibt es keine Produktionsabteilung mehr. Das Gebäude, in dem die Apotheke und eine kleine Klinik untergebracht sind, könnte dringend einen neuen Anstrich vertragen. Im Treppenhaus bröckelt nicht nur der Putz, sondern auch die Stufen. Allerdings ging es dem Institut auch schon schlechter. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und dem Georgischen Bürgerkrieg (1991-1993), in dem die georgische Armee wie früher die Rote Armee Phagenlösungen in großen Kanistern mitführte, war es nahezu ruiniert. Nun zeugen die restaurierten Säulen des Hauptgebäudes wieder von der stolzen Geschichte. Die Klinik wird mit Geldern aus den USA unterstützt, auf Laborgeräten kleben Sticker mit Europafahne und der Aufschrift: „Zur Verfügung gestellt von der Europäischen Union“.

„Wir haben eine gute und große Infrastruktur. Es gibt in Georgien nicht viele Institute, die wie wir unabhängig sind von den Universitäten“, sagt Dr. Mzia Kutateladze, die Direktorin des Eliava-Instituts. Mittlerweile interessierten sich immer mehr Forscher aus dem Westen für die Arbeit der Wissenschaftler in Georgien. „Noch vor 15 Jahren wurden wir für Verrückte gehalten. Wir haben lediglich auf ein paar Konferenzen Vorträge gehalten. Mittlerweile wird es immer deutlicher, dass Antibiotika versagen, und man sucht nach Alternativen.“

Immer mehr Ausländer kommen in die kleine Praxis in Georgien

Doch nicht nur unter Wissenschaftlern spricht sich die georgische Phagentherapie herum. „Wir stoßen langsam an die Grenzen unserer Klinik“, sagt Kutateladze. Gerade einmal sieben Ärzte und drei Pfleger arbeiten in der Praxis, die aus nicht mehr als einem Wartezimmer, einem langen Gang und einem halben Dutzend winziger Behandlungszimmer besteht. „Im Juli 2016 hatten wir 16 Patienten aus dem Ausland. Daneben läuft die Versorgung der einheimischen Patienten.“

Letztere lassen hier ihre Alltagsinfektionen vom Durchfall bis zur Blasenentzündung behandeln. In Georgien ist das Standard, etwa jede fünfte bakterielle Infektion im Land wird mit Phagen therapiert. Der Cocktail „Intestiphage“, der Phagen gegen etwa 20 der am weitesten verbreiteten Krankheitserreger des Verdauungstrakts enthält und der vom Eliava-Institut etwa alle sechs Monate gegen neue Bakterienstämme aktualisiert wird, ist ohne Rezept erhältlich. In Krankenhäusern ist „Intestiphage“ Standard zur Prophylaxe von Magen-Darm-Infektionen.

Entsprechend bekannt ist die Phagenmedizin in Georgien. Die Bushaltestelle vor dem Institut trägt bei Google Maps die Bezeichnung „Bacteriophage“.  Auch im Hotel einige Straßen weiter kennt man das Institut. „Ich war als Kind da. Die haben einen sehr guten Ruf. Bei uns übernachten auch viele Patienten aus Deutschland“, sagt Hoteldirektor Zurab, bevor er anfängt, in Erinnerungen an Spiele zwischen Dinamo Tiflis und Eintracht Braunschweig zu schwelgen.

Diese Patienten aus Deutschland und anderen westlichen Staaten kommen allerdings nicht nach Tiflis, um ihre Allerweltsinfektionen behandeln zu lassen. Für sie ist das Institut häufig die letzte Station einer langen medizinischen Odyssee.

Phagen gegen eine alte Kriegsverletzung aus Vietnam

So wie für Dr. Michael Snidecor. Der Israeli lässt sich zum zweiten Mal mit Phagen behandeln. Grund seines Leidens ist eine alte Kriegsverletzung: „1968 wurde ich in Vietnam von der Explosion einer 122-Millimeter-Rakete am Bein erwischt“, erzählt der in Michigan geborene promovierte Psychologe und Experte für Schmerztherapie. Die Wunde heilte zwar zunächst, doch waren Bakterien ins Knochenmark gelangt: Osteomyelitis.

„Manchmal muss man einfach das Richtige tun, auch wenn es gegen Regeln verstößt.“ – Michael Snidecor, Patient in der Klinik des Eliava-Instituts

Die Folge sei ein jahrelanges Leiden gewesen. Auf dem Höhepunkt der Erkrankung habe der Keim auch das Rückenmark infiziert und eine Lähmung verursacht. „Ich habe rund um die Uhr intravenös Antibiotika bekommen. Trotzdem musste ich zusehen, wie die Lähmung Zentimeter für Zentimeter voranschritt“, sagt Snidecor. In einer Verzweiflungstat sei seine Frau dann nach Georgien gereist und habe einen Phagen-Cocktail mitgebracht, den er sich in Israel illegal selbst injizierte. „Manchmal muss man einfach das Richtige tun, auch wenn es gegen Regeln verstößt“, sagt der orthodoxe Jude und fügt hinzu: „Die Phagen haben mir das Leben gerettet.“

Doch obwohl die Lähmung verschwand und sein Bein verlorene Funktionen zurückgewann, konnte Snidecors Osteomyelitis nie vollständig geheilt werden. Die alte Wunde heilte, brach aber immer wieder auf. Auch Hauttransplantationen halfen nicht dauerhaft. Nach einem schweren Autounfall Anfang 2016 gelangte die Infektion erneut ins Rückenmark, und auch die Wunde öffnete sich wieder. Nun hofft der Israeli, dass die Phagen ihn noch einmal retten können. Während seines Aufenthalts in Georgien wird die Wunde immer wieder mit Wasserstoffperoxid gereinigt und anschließend mit einer Phagenlösung behandelt. Für die Selbsttherapie zu Hause hat er sich außerdem reichlich mit Medikamentenschachteln aus der Apotheke eingedeckt.

„Seine Begeisterung geht auch uns etwas zu weit“, sagt Dr. Naomi Hoyle vorsichtig. Die junge Amerikanerin ist die Ansprechpartnerin des Instituts für ausländische Patienten. Sie ist von der Wirksamkeit der Phagentherapie überzeugt und wirbt eifrig dafür – im Internet-Kurznachrichtendienst Twitter hat sie sich den Namen „@phagegirl“ gegeben –, aber sie warnt vor überzogenen Hoffnungen: „Es funktioniert nicht immer. Phagen sind kein Wundermittel.“

Seit einem Ski-Unfall 1978 ist der Knochen infiziert

Doch genau das ist es, was viele der ausländischen Patienten suchen. Auch Florence Souchet aus Paris plagt eine Knocheninfektion. „1978 habe ich mir bei einem Ski-Unfall das rechte Bein gebrochen. Mir wurde damals ein Stück Metall eingesetzt“, erinnert sich die Französin. Der Anfang eines langen Leidenswegs: Es folgten unzählige Operationen und Behandlungen mit Antibiotika. „Immer wieder musste ein Teil des Knochens entfernt werden. Mir wurde als Ersatz sogar ein Stück Koralle eingesetzt.“

„Ich wollte warten, bis Phagen in Frankreich zugänglich sind. Aber ich kann nicht mehr länger warten.“ - Florence Souchet, Patientin in der Klinik des Eliava-Instituts

Zuletzt hätten ihre Ärzte ihr empfohlen, all die in den vergangenen Jahren eingesetzten Materialien wieder entfernen und den infizierten Knochen abtragen zu lassen. „Das käme einer Amputation nahe“, klagt Souchet. Sie lehnte ab. Dann las sie in der Zeitung einen Artikel über Phagen. „Ich wollte warten, bis die in Frankreich zugänglich sind. Aber ich kann nicht mehr länger warten.“ Souchet ist von den Medizinern in ihrem Heimatland schwer enttäuscht. „Die wissen nichts“, sagt sie über ihre Ärzte, denen sie die Schuld an ihrem Leid gibt.

Nun sitzt die Französin seit einer Woche jeden Tag in der Klinik in Tiflis und lässt Phagen auf ihr Schienbein auftragen. Zusätzlich trinkt sie morgens und abends einen Phagen-Cocktail gegen verschiedene Stämme von Pseudomonaden und Staphylokokken, der auf diese Weise, so hofft sie, über das Blut auch ins Knochenmark gelangen soll. Die Injektion direkt ins Blut, wie Snidecor es gemacht hat, ist auch in Georgien nicht zugelassen. Erste Erfolge will die Französin schon nach vier Tagen erkannt haben: „Die Wunde schließt sich bereits“, sagt Souchet. Nun hofft sie, dass die Phagen auch den mit Keimen besiedelten Knochenzement in ihrem Schienbein erreichen und säubern.

Naomi Hoyle: Manche Patienten sind auf der Suche nach einem Wunder. Foto: Johannes Kaufmann

Auch hier ist Naomi Hoyle zurückhaltender. Ein solch durchschlagender Erfolg sei unwahrscheinlich. Die georgischen Ärzte raten Souchet daher ebenfalls zur von den französischen Kollegen vorgeschlagenen Operation. „Grundsätzlich können wir keine Garantien geben. Viele Patienten fragen nach der Erfolgsrate. So etwas gibt es nicht. Wir haben zwar viele Erfolge, aber jeder Fall ist so individuell, dass sich daraus keine allgemeine Aussage machen lässt“, gibt die Kinderärztin zu bedenken. Manche Patienten müsse die Klinik auch abweisen.

3900 Dollar kostet die Standard-Therapie für ausländische Patienten

Gegen Tuberkulose wurde beispielweise bisher kein wirksamer Phage gefunden. Auch die Borreliose lässt sich auf diese Weise nicht behandeln, weil die Bakterien ins Innere der Körperzellen eindringen und dort vor Phagen geschützt sind. „Es gibt auch einige Erreger, bei denen derzeit nach passenden Phagen gesucht wird, die aber noch nicht therapeutisch einsetzbar sind“, so Hoyle.

Die meisten ausländischen Patienten werden aber nicht abgelehnt. Auch bei schwer zu behandelnden Infektionen wie Osteomyelitis sind die georgischen Ärzte überzeugt, helfen zu können. 3900 Dollar kostet die 14-tägige Standardbehandlung. Geld, das das Institut gut gebrauchen kann. „Das ist wirklich wichtig“, räumt Hoyle ein. „Die Klinik ist Teil der Eliava-Stiftung, einer gemeinnützigen Organisation, die keine Gewinne erzielt. Überschüsse fließen an die Stiftung, die entscheidet, was damit geschieht und ob sie beispielsweise in die Forschung investiert werden.“

Diese Forschung besteht unter anderem aus der Suche nach immer neuen Phagen, die für die Therapie genutzt werden können. Dafür sammeln die Wissenschaftler des Instituts Bodenproben aus der Umwelt und testen, ob sich in ihnen Phagen befinden, die im Labor angezüchtete Bakterienkulturen zerstören.

Ganz ähnlich gehen die Forscher an der Deutschen Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen (DSMZ) in Braunschweig vor, zu denen das Eliava-Institut enge Kontakte pflegt. Hier in Georgien ist man allerdings – aufgrund der langen Erfahrungen mit der Phagentherapie – weniger zurückhaltend. Auch Phagen, deren Erbgut noch nicht sequenziert wurde, kommen zum Einsatz. „Wir stellen aber sicher, dass wir ausschließlich lytische Phagen verwenden“, sagt Institutsleiterin Mzia Kutateladze. Die Patienten bekommen also ausschließlich Viren verabreicht, die die Bakterien, die sie infizieren, auch zerstören, statt ihr Erbgut in ihnen einzulagern.

Dies vorausgesetzt, sieht Kutateladze keine Gefahren der Therapie: „Während der Sowjetzeit wurde nach Risiken gesucht, ohne dass welche gefunden werden konnten. Selbst bei intravenöser Anwendung nicht. Das liegt daran, dass Phagen so spezifisch wirken.“

Ohne klinische Studien gibt es keine Zulassung in der EU

Doch die Behörden in der EU und den USA konnte dies bisher nicht überzeugen. Sie verlangen das aufwendige Zulassungsverfahren mit mehrjährigen klinischen Studien nach strengen wissenschaftlichen Standards. Bis dahin bleibt die einzige Möglichkeit, im Westen mit Phagen behandelt zu werden, die Berufung auf die Deklaration von Helsinki des Weltärztebundes über die ethischen Grundsätze für die medizinische Forschung am Menschen. Gemäß Artikel 37 darf ein Arzt bei „einzelnen Patienten, für die es keine nachgewiesenen Maßnahmen gibt oder andere bekannte Maßnahmen unwirksam waren“ mit Einwilligung des Patienten eine „nicht nachgewiesene Maßnahme anwenden“. Einen Arzt zu finden, der sich auf dieser rechtlichen Grundlage auf die Behandlung mit Phagen aus Georgien einlässt, ist schwierig.

„In der Sowjetunion gab es keine doppelt verblindeten, randomisierten, kontrollierten Studien. Das Wissen aus unseren Archiven basiert auf Fallberichten“, erklärt Kutateladze. Das macht die vielen Akten des Instituts letztlich zu nicht mehr als einer großen Sammlung medizinischer Anekdoten – keine ausreichende Evidenz für Sicherheit und Wirksamkeit.

Auch im Westen wurde Phagentherapie praktiziert

Dabei gibt es auch im Westen eine Geschichte der therapeutischen Nutzung von Phagen. Florence Souchet hätte sich womöglich auch in ihrer Heimat mit Phagen behandeln lassen können – hätte sich ihre Geschichte ein paar Jahrzehnte früher ereignet. Der Entdecker der Bacteriophagen, Félix Hubert d’Hérelle, nutzte 1919 Phagen erstmals zur Therapie bei an Ruhr erkrankten Kindern in Paris. 1936 erschien im Magazin „La Médicine“ ein Sonderband, der ausführlich den therapeutischen Einsatz von Phagen dokumentierte  – zur Behandlung unter anderem von Typhus, Ruhr, Hautkrankheiten wie Abszessen, infizierten Operationswunden und Harnwegsinfektionen.

Bis 1978, dem Jahr, in dem Souchet ihren Unfall hatte, wurden Phagenmedikamente in Frankreich von einem von d’Hérelle gegründeten Unternehmen kommerziell vertrieben. Das Institut Pasteur produzierte Phagencocktails sogar bis in die 1990er Jahre. Ein Überblick des Instituts aus dem Jahr 1961 attestierte der Phagentherapie eine besonders hohe Wirksamkeit gegen Staphylokokken, Pseudomonaden, Proteus und coliforme Bakterien. Noch 1976 produzierte das Institut mehr als 60 therapeutische Phagen.

In den USA waren die 1920er und 1930er Jahre eine Zeit geradezu enthusiastischer Phagenforschung. Auch hier produzierten Unternehmen kommerzielle Medikamente auf Basis der Viren, darunter auch Eli Lilly, einer der bis heute größten Pharmakonzerne der Welt, der mit Penicillin als erstes ein Antibiotikum in Massenproduktion herstellte. Dessen Siegeszug beendet gleichzeitig die Zeit der Phagenprodukte des Unternehmens. Darüber hinaus haben zwei Übersichtsberichte im „Journal of the American Medical Association“ von 1934 und vor allem 1941 dem Ruf der Phagentherapie im Westen geschadet, obwohl den Autoren später große Nachlässigkeit bei der Auswertung der vorhandenen Daten nachgewiesen werden konnte.

Mzia Kutateladze: Erfahrungen aus der Sowjetzeit

Trotz allem sieht die Direktorin heute Fortschritte. „Ich werde optimistischer, weil immer mehr Länder sich interessieren. Vielleicht muss die Phagentherapie durch einen Genehmigungsprozess wie bei Biopharmazeutika. Vielleicht wird sie als personalisierte Medizin zugelassen, was ein wichtiges Zukunftsfeld in der Medizin ist.“

Auch Naomi Hoyle hegt solche Hoffnungen: „Phagen sollten eine von mehreren zugänglichen Alternativen zu Antibiotika für Patienten überall auf der Welt sein“, fordert sie. Auch im Westen gebe es bereits Therapien, die nicht die strengen Standards der evidenzbasierten Medizin erfüllen müssten. Womöglich könnten Phagen als alternative Heilmethode wie Traditionelle Chinesische Medizin oder Homöopathie eingestuft und reguliert werden.

Allerdings dürfte es vielen Phagenforschern im Westen nicht zusagen, mit solchen esoterischen Verfahren in Verbindung gebracht zu werden. Christine Rohde von der DSMZ kann zwar die Absicht hinter diesem Vorschlag nachvollziehen, ist aber überzeugt: „Wir sollten weiter gehen und mutiger jetzt durchsetzen, was mittlerweile auch die WHO will: Da die Phagen ein Weg sind, sollte dieser auch angemessen und nicht via Umweg beschritten werden.“

Welche Entwicklung die Phagentherapie in westlichen Gesundheitssystemen auch nehmen mag, für Patienten wie Michael Snidecor und Florence Souchet werden sie zu spät kommen. Die Französin hat das Vertrauen in das Gesundheitssystem verloren. Sie bezeichnet die Forderung nach klinischen Studien wütend als „Blödsinn“: „In dieser Zeit sterben Menschen.“ Der Israeli ist weniger aufgebracht, sagt aber auch: „Ich verstehe nicht, warum der Rest der Welt nicht mitmacht.“

Heute, ein halbes Jahr später, geht es Florence Souchet deutlich besser. Etwas mehr als zwei Monate nach Beginn der Behandlung hätten sich ihre Wunden und Fisteln vollständig geschlossen, schreibt sie in einer E-Mail. „Unglaublich ist aber das Sahnehäubchen oben drauf: Seit der MRSA-Infektion bei meiner ersten Operation hatte ich immer Schmerzen. Nun muss ich nicht mehr humpeln – zum ersten Mal seit 38 Jahren!“

Auch Michael Snidecor geht es besser. Die Wunde sei kleiner geworden, schreibt er. Ganz  geschlossen habe sie sich aber nicht. Außerdem habe er sich eine neue Infektion eingefangen. Das haben Phagen mit Antibiotika gemeinsam: Wunderheilungen sind möglich – aber nicht garantiert.